Schwitzen im Hochpreissegment
Eigentümer hochwertiger Immobilien erweitern ihren Garten häufig um eine Außensauna. Die Hersteller reagieren mit neuen Materialien, höherem Komfort und mit Modellen, die sich unauffällig in die Umgebung einfügen.
Jana Samsonova Düsseldorf
Dämmriges Licht, weiche Schatten, ein kurzes Zischen, wenn Wasser auf die heißen Steine trifft. Die Hitze steigt langsam auf und legt sich wie eine wohltuende Schicht über den Körper. Viele suchen genau das: Rund 30 Millionen Menschen in Deutschland saunieren regelmäßig, schätzt der Deutsche Sauna- Bund. Und immer häufiger geschieht das nicht mehr nur in der Therme, sondern auch im eigenen Garten.
Außensaunen sind im Premiumsegment kein seltenes Extra mehr. Das Immobilienunternehmen Engel & Völkers registriert vor allem in ländlichen Regionen und bei Ferienimmobilien wie Chalets oder Tiny Houses eine wachsende Nachfrage. Doch selbst in Städten greifen Immobilienbesitzer zunehmend zu solchen Lösungen.
Die klassische Kellersauna lockt heute kaum noch jemanden hinter dem Saunaofen hervor. Wer investiert, plant meist im Garten – größer, komfortabler, individueller, luxuriöser. Käufer neuer Grundstücke wollen jeden Quadratmeter optimal nutzen, sagt Jochen Gempp, Geschäftsführer von Jochen Gempp Gartendesign. „Eine Sauna im Haus tut weh, weil Platz verloren geht. Im Garten kann sie dagegen ein Highlight sein – optisch wie funktional.“ Seine Kunden seien heute überwiegend junge Bauherren, die es sich „von Anfang an schön machen wollen“. Früher galt eine Sauna eher als Projekt „für später“, wenn das Haus fertig war.
>>> „Die frühere Obergrenze von 100.000 Euro wird seit Jahren überschritten.“ Jonas Hohnhorst - Vertriebsleiter bei Westerhoff <<<
Die Preise für eine hochwertige Außensauna beginnen bei rund 20.000 Euro, eine vielfache Summe ist nicht unüblich. „Die frühere Obergrenze von 100.000 Euro wird seit Jahren überschritten“, sagt Jonas Hohnhorst, Vertriebsleiter beim Hersteller Westerhoff.
Das Immobilien-Mantra „Lage, Lage, Lage“ gilt auch bei Außensaunen. Der Standort im Garten entscheidet über Privatsphäre, Atmosphäre und Nutzung. „Der Platz sollte so gewählt sein, dass eine eigene Ruhezone entsteht“, sagt Hohnhorst. „Die Sauna sollte sich harmonisch in den Garten einfügen und einen angenehmen Ausblick bieten“, ergänzt Phillip Rock, Geschäftsführer beim Marktführer Klafs. Häufig gestalten Garten- und Landschaftsbauer den Bereich, in dem die Sauna steht, weiter aus und ergänzen Wasser- oder Pflanzenelemente, die einen kleinen Wellnessbereich schaffen. „Oft kommen Sauna, Whirlpool, Pool und Außenküche zusammen. Dann muss alles aufeinander abgestimmt werden“, sagt Gempp.
Entscheidend sei die Beziehung zwischen Haus, Garten und Sauna – und die Frage, wie sie genutzt werden soll. Wird die Außensauna als zusätzlicher Wohnraum gedacht, etwa mit angeschlossenem Ruhebereich oder Übernachtungsmöglichkeit für Gäste, steigen die Anforderungen an den Standort entsprechend.
Geht es an die Planung, startet jedes Projekt „mit einem weißen Blatt Papier“, sagt Hohnhorst. Das Unternehmen baut ausschließlich maßgeschneiderte Saunahäuser. Die Bedingungen vor Ort sind entscheidend: „Himmelsrichtung, Bäume und Wasseranlagen wie Pools oder Teiche beeinflussen die Planung des Saunahauses.“
Jochen Gempp Gartendesign verwendet eine modulare Bauweise. „Wir haben flexible Grundrisse und nutzen vorgefertigte Elemente, die wir mit einem Kran platzieren können“, sagt Gempp. Das spare Zeit und Aufwand. Klafs bietet beide Bauweisen an. „Ergänzend zu den Maßanfertigungen werden auch Modelle im Einstiegssegment mit vordefinierten Grundrissen angeboten“, sagt Rock.
Ist der Standort gewählt, braucht es einen Fundamentplan. Er definiert die Tragfläche – meist eine Betonbodenplatte – und berücksichtigt zugleich die Stromversorgung. „Häufig sind Starkstrom- Kupplungen bereits vorinstalliert, sodass der Anschluss nach der Lieferung direkt erfolgen kann“, sagt Hohnhorst. Die elektrische Installation ist gesetzlich geregelt. Henrike Reichert vom Energieunternehmen Energie Baden-Württemberg AG (EnBW) sagt, „dass die elektrischen Verbraucher der Sauna – etwa die Heizelemente – von einem zugelassenen Elektrofachbetrieb beim örtlichen Netzbetreiber angemeldet werden müssen“. Das verhindere Überlastungen und sei Voraussetzung für einen sicheren Betrieb.
Holzöfen erfordern weitere Prüfungen. Ein Schornsteinfeger muss die Anlage abnehmen, der Kamin muss doppelwandig ausgeführt sein und die vorgeschriebenen Abstände zu brennbaren Materialien einhalten. Das Ofenrohr wird isoliert durch Wand und Dach geführt – ein Job für den Fachbe- trieb. Laut Bundes-Immissionsschutzverordnung müssen alle Holzöfen angemeldet werden.
Eine weitere Hürde ist das Baurecht, das je nach Bundesland variiert. In vielen Ländern sind drei Meter Abstand zur Grundstücksgrenze vorgeschrieben – ein Schutz vor Brandgefahr und Nachbarschaftskonflikten. Außensaunen gelten zudem meist als Aufenthaltsräume mit Feuerstelle und sind deshalb in vielen Fällen genehmigungspflichtig.
Mit den steigenden Ansprüchen der Kunden verändert sich auch das Erscheinungsbild moderner Außensaunen. Gempp rät davon ab, Trends hinterherzulaufen. Was heute modern wirke, könne schnell veralten.
„Design und Komfort fangen ab einem gewissen Niveau häufig an, sich gegenseitig im Wege zu stehen“, sagt Hohnhorst. Die Herausforderung für Hersteller bestehe darin, beides in ein ausgewogenes Verhältnis zu bringen.
Gefragt sind außerdem klare Linien und „schwebende“ Bänke, die an der Wand befestigt werden und ohne sichtbare Stützen auskommen. Panoramafronten lassen Räume heller und offener wirken, LED-Lichtkonzepte setzen Akzente, natürliches Holz bildet einen warmen Kontrast zum klaren Glas und dem kühlen LED-Licht.
Neben puristischen, modernen Modellen hat auch der rustikale Stil seine Fans – vorausgesetzt, er fügt sich optisch in die Umgebung ein. Sauna - häuser aus nordischer Fichte oder Keloholz schaffen eine traditionelle finnische Atmosphäre und wirken besonders in naturnahen Gärten stimmig. Unbehandeltes Holz liefert den typischen Duft.
Außensaunen sind keine simplen Schwitzkammern mehr. „Mittlerweile beinhalten fast alle Saunahäuser zumindest eine Ansteuerung per App. Smarthome über Systeme wie Homematic, Loxone oder KNX kommt bei jedem fünften Projekt zum Einsatz“, sagt Hohnhorst.
So bietet auch Klafs ein Modul an, das die Sauna mit dem Smart Home verbindet. Nutzer können via Smartphone den Befehl zum Vorheizen absetzen, ein Programm auswählen oder die Temperatur einstellen, erklärt Rock. Für Fernstarts gelten allerdings strenge Sicherheitsregeln. Eine Türkontaktschaltung stellt sicher, dass der Ofen nur startet, wenn bestätigt ist, dass sich keine brennbaren Gegenstände auf dem Ofen befinden. Wird die Tür danach geöffnet, fordert das System eine erneute Freigabe.
Sprachsteuerung, Infrarotmodule, Bluetooth-Sound, programmierbare Lichtstimmungen und automatische Belüftungssysteme gehören mittlerweile ebenfalls zur gängigen Ausstattung.
>>> 30 Millionen Menschen in Deutschland gehen regelmäßig in die Sauna. Quelle: Deutscher Sauna-Bund <<<
Bei starker Sonneneinstrahlung braucht die Sauna zusätzlichen Schutz, etwa durch Raffstores, also außen liegende Sonnenschutzsysteme mit verstellbaren Lamellen, oder Senkrechtmarkisen. Letztere eignen sich besonders für größere Ruheräume mit viel Glas und verhindern unerwünschte Aufheizung. Je kleiner das Saunavolumen und je besser die Dämmung, desto schneller wird es warm und desto geringer der Verbrauch. Türen und Dichtungen sollten regelmäßig geprüft werden, um Wärmeverluste zu vermeiden. Maßvolle Glasflächen unterstützen die Effizienz, ohne den Blick ins Grüne zu schmälern.
Der größte Kostenfaktor im Betrieb einer Sauna ist der Ofen. Elektroöfen mit sechs bis neun Kilowatt laufen pro Sitzung rund anderthalb bis zwei Stunden und verursachen laut EnBW Kosten zwischen 2,50 und 6 Euro. Wer Ökostrom bezieht oder eine Photovoltaikanlage nutzt, kann nahezu klimaneutral saunieren – vor allem dann, wenn der Ofen heizt, während die Anlage viel Strom liefert. Holzöfen verbrauchen pro Sitzung acht bis 15 Kilogramm Holz und kosten damit etwa 1,50 bis 3,50 Euro.
Die meisten Kunden entschieden sich für einen Elektroofen, sagt Gempp. Der Grund sei weniger der Preis als Bequemlichkeit: „Die Menschen haben wenig Zeit. Einschalten, warten, fertig – das zählt.“
Quelle: Handelsblatt | 12. Dezember 2025